Die römische Welt war groß und voller Orte, Gegenständen und Gebräuchen, die heute nahezu in Vergessenheit geraten sind. Dieses kleine Glossar soll helfen, sich in der Zeit, in der "Unter Römern" spielt, besser zurechtzufinden.
Alltagsgegenstände und -örtlichkeiten
Abakus
Der römische Abakus war ein mechanisches Rechengerät, das häufig als handlicher Handabakus verwendet wurde. Er bestand aus einer Tafel oder einem Rahmen mit mehreren Spalten, die jeweils eine Stellenwertigkeit des Dezimalsystems (Einer, Zehner, Hunderter usw.) darstellten. In den Spalten befanden sich verschiebbare Rechensteine oder Perlen (calculi). Typisch waren zwei Reihen pro Stelle: vier untere Perlen für die Werte 1–4 und eine obere Perle für den Wert 5. Zusätzlich gab es Reihen für Bruchteile wie halbe, viertel oder drittel Einheiten. Durch das Verschieben der Steine konnten Zahlen dargestellt sowie Rechnungen wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division durchgeführt werden. Der Abakus wurde besonders im Handel und in der Verwaltung genutzt und erleichterte Berechnungen auch ohne die Ziffer Null.
Als praktisches und weit verbreitetes Hilfsmittel spielte der römische Abakus eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Alltag der Antike.
Ergastulum
Ein Ergastulum war im antiken Rom eine Art Zucht- und Arbeitshaus, das auf zahlreichen Landgütern als Gefängnis für Sklaven diente. Meist handelte es sich um unterirdische und fensterlose Räume, in denen Sklaven zur Strafe für Ungehorsam oder Flucht unter strenger Überwachung in Ketten gehalten und zu Schwerstarbeit gezwungen wurden. Erst ein Erlass des Kaisers Hadrian im 2. Jahrhundert n. Chr. schränkte die Nutzung von Ergastula ein, um die Lebensbedingungen der Sklaven zu verbessern.
Freilassungsstab (Vindicta)
Die Vindicta war ein Stab, der im alten Rom eine zentrale Rolle bei der Freilassung von Sklaven spielte, insbesondere bei der sogenannten „manumissio vindicta“, der „Freilassung durch den Stab“. Dieses Freilassungsritual war die häufigste Form der formellen Sklavenbefreiung in der römischen Republik und frühen Kaiserzeit. Dabei trat der Sklave mit seinem Herrn vor einen Magistrat, oft den Prätor, vor dem der Herr feierlich erklärte, dass der Sklave sei frei. Der zuständige Beamte (oder dessen Vertreter) berührte den Sklaven mit dem Freilassungsstab, der Vindicta, als Zeichen der Befreiung. Der Stab hatte dabei nicht nur eine symbolische, sondern eine praktisch juristische Funktion: Durch die Berührung mit der Vindicta wurde die Freiheit rechtlich anerkannt und der Freigelassene als römischer Bürger betrachtet. Das Ritual fand vor Zeugen statt, was die Legitimität der Freilassung zusätzlich sicherte.
Leier (Lyra)
Die Lyra ist ein zupfbares Saiteninstrument der Antike, das vor allem im alten Griechenland populär war. Sie bestand meist aus einem halbrunden oder rechteckigen Resonanzkörper, oft aus Holz oder Schildkrötenpanzer, an dem zwei Arme mit einer Querbrücke befestigt waren, über die mehrere Saiten gespannt wurden. Die Anzahl der Saiten variierte, üblich waren 7 bis 10 Saiten. Die Spieler zupften die Saiten mit einem Plektrum oder mit den Fingern.
Die Lyra war eng mit der griechischen Kultur, Mythologie und Dichtung verbunden – sie galt als Instrument des Gottes Apollon und des mythischen Erfinders Hermes. In der griechischen Antike wurde die Lyra vor allem zur Begleitung von Gesang und Dichtung verwendet und war Bestandteil von Ritualen und Festen. Sie spielte auch eine zentrale Rolle beim Vortrag epischer Werke wie der Ilias und der Odyssee.
Palaestra
Die Palaestra (griechisch palaístrā, lateinisch palaestra) war im antiken Griechenland eine Anlage für körperliche Übungen, besonders für Ringkampf und Faustkampf. Sie entwickelte sich im griechischen Kulturraum als Teil des Gymnasions und wurde später von den Römern übernommen, die sie häufig in ihre Thermenanlagen integrierten.
Architektonisch bestand eine Palaestra meist aus einem großen rechteckigen Hof, der von Säulenhallen umgeben war. In den angrenzenden Räumen befanden sich Umkleiden, Trainingsräume sowie Bereiche für Massage und Einreibung mit Öl. Beispiele solcher Anlagen sind aus Städten wie Pompeji und Herculaneum bekannt.
Neben Ring- und Faustkampf wurden in der Palaestra auch andere sportliche Übungen durchgeführt, darunter Laufen, Diskus- und Speerwurf, Weitsprung, Ballspiele sowie Kraft- und Gymnastikübungen. In römischer Zeit diente sie zudem als Treffpunkt für Freizeit und Geselligkeit, oft in Verbindung mit dem Badebetrieb der Thermen.
Darüber hinaus hatte die Palaestra eine soziale und erzieherische Bedeutung: Sie war ein Ort körperlicher Ausbildung und gemeinschaftlichen Lebens, besonders für junge Männer. Traditionell stand sie unter dem Schutz des Gottes Hermes (römisch Merkur), der als Patron der Athleten galt.
Pileus
Der antike Pileus war eine einfache, meist aus Filz angefertigte, eng anliegende Kappe. Er wurde vor allem von Arbeitern, Fischern, Seeleuten und Handwerkern getragen und galt als praktische Schutzmütze gegen Kälte und Sonne. Im Römischen Reich wurde sie außerdem während der Saturnalien, dem Fest des Gottes Saturn, von allen Feiernden getragen. Darüber hinaus hatte der Pileus Im alten Rom eine besondere symbolische Bedeutung: Er wurde den freigelassenen Sklaven bei ihrer Freilassung aufgesetzt und war somit ein Zeichen der Freiheit und des sozialen Aufstiegs.
Rohrfeder (Calamus)
Der antike Calamus (lat. calamus, griech. κάλαμος) war ein Schreibgerät aus Schilfrohr, das in der gesamten Antike von Ägyptern, Griechen und Römern verwendet wurde. Die Rohrfeder wurde schräg angeschnitten, an der Spitze gespalten und in Tinte getaucht, um auf Papyrus oder Pergament zu schreiben. Je nach Neigung der Spitze konnten unterschiedlich dicke oder dünne Linien gezogen werden. Aufgrund der schnellen Abnutzung musste die Spitze oft nachgeschnitten werden. Die Rohrfeder galt als präzises und vielseitiges Schreibwerkzeug; sie wurde oft in Bündeln verkauft und war ein fester Bestandteil antiker Schreibsets, zusammen mit einem Messer zum Nachschärfen.
Tibia
Die Tibia war ein antikes Blasinstrument. Sie bestand meist aus zwei getrennten Röhren, die gleichzeitig gespielt wurden, wobei die rechte Tibia länger und tiefer klang, die linke kürzer und höher. Die Tibia war häufig aus Materialien wie Holz, Schilfrohr, Knochen, Elfenbein, Horn oder Metall gefertigt. Es gab verschiedene Varianten, darunter die „Tibiae geminae“ (Doppelflöte mit zwei Mundstücken) und die „Tibiae conjunctae“ (Doppelflöte mit nur einem Mundstück). Die Tibia hatte in der Antike sowohl kultische als auch weltliche Funktionen; sie wurde bei Theateraufführungen, religiösen Zeremonien und feierlichen Anlässen gespielt.
Wachstafel (Tabula Cerata) und Stilus
In der Antike diente die tabula cerata, eine meist hölzerne Tafel, die auf einer oder beiden Seiten mit einer geglätteten Wachsschicht überzogen war, als praktische Schreibunterlage. Zum Schreiben benutzte man einen spitzen Metallgriffel, den sogenannten stilus, mit dem man Buchstaben in das Wachs ritzte. Dabei entfernte die Spitze des Stilus die Wachsschicht an der Oberfläche, sodass das darunter liegende hellere Holz als Schrift sichtbar wurde. Die flache Rückseite des Stilus konnte man zum Glätten und Wiederauffrischen der Wachsschicht benutzen, sodass die Tafel wiederverwendbar war. Mehrere Tafeln konnten durch Scharniere miteinander verbunden werden und bildeten so ein Diptychon (zweiteilig), Triptychon (dreiteilig) oder Polyptychon (mehrteilig), die wie ein Buch verwendet wurden. Die tabulae ceratae waren in Alltag und Verwaltung weit verbreitet und dienten für Notizen, Listen, private und offizielle Texte.
Essigwasser (Posca)
Posca war ein beliebtes, meist alkoholfreies Erfrischungsgetränk im antiken Rom, das besonders von römischen Soldaten und der ärmeren Bevölkerung getrunken wurde. Es bestand im Wesentlichen aus Wasser und Weinessig, häufig mit etwas Honig gesüßt und manchmal mit Kräutern wie Koriander, Minze oder Thymian verfeinert. Die typische Zubereitung war simpel: Wasser und Essig (z.B. im Verhältnis 5:1 oder 4:1), etwas Honig hinzugeben, gut vermischen und nach Wunsch Kräuter hinzufügen – das Ganze wurde meist kalt getrunken.
Fischsoße (Garum)
Garum war eine der wichtigsten Würzsoßen der römischen Küche und wurde aus vergorenem Fisch hergestellt. Dazu ließ man Fischreste oder kleine ganze Fische zusammen mit Salz über längere Zeit in der Sonne fermentieren, bis eine aromatische Flüssigkeit entstand. Diese wurde anschließend abgefiltert und als klare, würzige Soße verwendet.
Garum hatte einen intensiven, salzig-würzigen Geschmack und wurde in vielen Gerichten eingesetzt – von einfachen Speisen bis hin zur gehobenen Küche. Es diente nicht nur zum Würzen, sondern auch als Ersatz für Salz. Hochwertige Varianten waren teuer und wurden im ganzen Römischen Reich gehandelt.
Getreidebrei (Puls)
Puls war das wichtigste Grundnahrungsmittel der Römer und galt als eine Art Nationalgericht, vergleichbar mit der heutigen Bedeutung von Brot. Der Brei wurde von allen Bevölkerungsschichten gegessen, war jedoch vor allem für einfache Leute und Soldaten ein tägliches, sättigendes Hauptgericht, da er leicht zuzubereiten und vielseitig anpassbar war.
Seine Grundlage bildete grob geschrotetes Getreide wie Emmer, Dinkel, Gerste oder Weizen, das meist mit Wasser und Salz zu einem Brei gekocht wurde. Je nach Verfügbarkeit wurde er mit Olivenöl, Gemüse, Kräutern und Gewürzen verfeinert; gelegentlich kamen auch Hülsenfrüchte oder Fleisch hinzu. Typisch war zudem die Würzung mit Garum, einer römischen Fischsoße, die dem Gericht zusätzlichen Geschmack verlieh.
Mostbrötchen (Mustacei )
Mustacei (auch Mostbrötchen genannt) waren süßlich-würzige Brötchen, die zur Zeit der Römer beliebt waren. Ihr Name leitet sich vom verwendeten Most (Traubensaft oder Traubenmost) ab, der traditionell als Flüssigkeit für den Teig diente. Für die Zubereitung wurde gewöhnlich Weizenmehl mit Most, Schmalz (oder Olivenöl), Hefe, Salz und Gewürzen wie Anis, Kreuzkümmel oder Kümmel vermischt. Oft wurden die Brötchen zusätzlich mit Schafskäse, getrockneten Früchten oder anderen Zutaten verfeinert. Nach dem Mischen ließ man den Teig gehen, formte anschließend runde Teiglinge und setzte sie je auf ein Lorbeerblatt, das Geschmack und Aroma beisteuerte.
Das Rezept geht auf Cato den Älteren zurück.
Oxymel
Oxymel war ein beliebtes Heil- und Stärkungsmittel der Antike, insbesondere im antiken Griechenland und Rom. Es besteht aus Honig und Essig (meist Apfelessig), oft ergänzt durch Kräuter oder Gewürze. Oxymel wurde wegen seiner vielfältigen gesundheitlichen Wirkung geschätzt, zum Beispiel zur Stärkung der Abwehrkräfte, Unterstützung der Verdauung, als Erfrischungsgetränk, bei Atemwegserkrankungen und als allgemeines Stärkungsmittel. Bekannte Ärzte wie Hippokrates und Galen empfahlen Oxymel als Universalheilmittel. Sein Name stammt aus dem Griechischen: „oxy“ (sauer) und „meli“ (Honig).
Teganitai
Teganitai (griechisch τηγανίται) waren ein einfaches griechisches Gebäck der Antike und gelten als eine der frühesten Formen von Pfannkuchen. Sie bestanden aus einem Teig aus Weizenmehl und Wasser, gelegentlich ergänzt durch Olivenöl oder Milch, der zu kleinen Fladen geformt und in der Pfanne ausgebacken wurde.
Serviert wurden sie meist mit Honig, Sesam oder eingekochtem Traubensaft und sowohl als Frühstück als auch als süßer Imbiss gegessen. Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. werden Teganitai in antiken Quellen erwähnt.
Wein- bzw. Rebsorten
Nomentana
Die Nomentana war eine antike römische Rebsorte, die ursprünglich in der Region um Nomentum, dem heutigen Mentana, in der Nähe von Rom angebaut wurde. Diese Sorte war besonders für ihre hohe Qualität und ihren angenehmen Geschmack bekannt. Die Weine aus der Nomentana-Traube wurden oft bei festlichen Anlässen serviert. Die Rebsorte wurde in mehreren antiken Schriften erwähnt, darunter von Plinius dem Älteren, der ihre Vorzüge lobte. Der Anbau der Nomentana war jedoch auf ein relativ kleines Gebiet beschränkt, was sie zu einer eher seltenen und begehrten Sorte machte.
Falerner
Der Falerner war einer der berühmtesten Weine der antiken Welt und wurde in der Region Kampanien, genauer gesagt am Falernus Mons, angebaut. Dieser Wein war für seine außergewöhnliche Qualität und seinen hohen Alkoholgehalt bekannt. Es gab drei Hauptsorten des Falerner: den süßen, den trockenen und den halbtrockenen. Der Falerner wurde oft in speziellen Tonamphoren gelagert und konnte über viele Jahre hinweg reifen. Antike Autoren wie Horaz und Martial lobten den Falerner in ihren Schriften und machten ihn zu einem Symbol für Luxus und Genuss. Der Falerner war auch für seine medizinischen Eigenschaften bekannt und wurde oft als Stärkungsmittel empfohlen.
Surrentiner
Der Surrentiner stammte aus der Region um Sorrent in Kampanien und war in der antiken Welt sehr geschätzt. Diese Rebsorte war vor allem für ihre fruchtigen und aromatischen Weine bekannt, die oft einen leicht süßlichen Geschmack hatten. Sie waren weniger stark und alkoholisch als der Falerner, wurden oft bei weniger formellen Anlässen getrunken und waren beliebte Alltagsweine. Antike Autoren wie Plinius der Ältere erwähnen den Surrentiner in ihren Schriften, loben seine angenehme Trinkbarkeit und seine verdauungsfördernden Eigenschaften.
Compitalien
Das römische Fest Compitalien (lateinisch Compitalia) war ein altes Winterfest zu Ehren der lares compitales, der Schutzgottheiten der Wegkreuzungen. Es wurde meist zwischen dem 30. Dezember und 2. Januar gefeiert. Das Fest fand an sogenannten Compita, Kultschreinen an Straßen- und Wegkreuzungen, statt, wo jeder Anlieger eine Kultnische hatte.
Compitalien waren ursprünglich ein bäuerliches Fest, bei dem die Hausgemeinschaft (familia) mit gemeinsamen Mahlzeiten und Wein zusammenkam. In der Nacht vor oder nach dem Fest wurden für jeden freien Familienangehörigen eine Wollpuppe und für jeden Sklaven ein Wollknäuel in die Kultnischen oder unter Torbalken gehängt, als symbolischer Schutz und Opfergabe.
In der städtischen Umgebung Roms entwickelten sich die Compitalien zu einem Fest, das vor allem von Freigelassenen und Sklaven gefeiert wurde. Unter Kaiser Augustus wurden die Compitalien reformiert und in den kaiserlichen Staatskult integriert. Das Fest wurde auf drei Tage ausgedehnt und als öffentliches städtisches Fest gefeiert.
Parentalien
Die Parentalia waren ein römisches Fest zu Ehren der verstorbenen Vorfahren, insbesondere der Eltern (parentes), das jährlich vom 13. bis zum 21. Februar begangen wurde. Es handelte sich um eine mehrtägige Periode des Totengedenkens, in der das Familienleben und der Ahnenkult im Mittelpunkt standen. Die Feier begann mit einem offiziellen Opfer durch die oberste Vestalin und endete am letzten Tag mit den „Feralia“, dem Höhepunkt der Festlichkeiten. Während der Parentalia blieben Tempel geschlossen, öffentliche Geschäfte ruhten und Hochzeiten waren untersagt, da das Fest eine ernste, besinnliche und familiär-geprägte Zeit war.
Es war Brauch, Speisen wie Brot, Wein, Früchte, Salzkörner und Blumenkränze (häufig aus Veilchen) auf die Gräber zu legen, um die Seelen der Toten (manes) zu besänftigen und die familiäre Bindung aufrechtzuerhalten. Familienmitglieder aßen oft gemeinsam am Grab und gedachten so ihrer Ahnen. Es galt als wichtig, das Fest nicht zu vernachlässigen, da andernfalls befürchtet wurde, dass unruhige Geister Unheil bringen könnten.
Saturnalien
Die römischen Saturnalien waren ein bedeutendes Fest zu Ehren des Gottes Saturn, das ursprünglich am 17. Dezember gefeiert wurde und später auf bis zu sieben Tage ausgedehnt wurde. Das Fest markierte das Ende der Winteraussaat und war eng mit dem mythischen Goldenen Zeitalter verbunden, als dessen Herrscher Saturn galt.
Während der Saturnalien wurden soziale Schranken aufgehoben: Sklaven und Herren tauschten symbolisch die Rollen, und alle feierten gemeinsam in ausgelassener Atmosphäre. Öffentliche Einrichtungen, Gerichte und Schulen blieben geschlossen, und es war verboten, Krieg zu führen oder Strafen zu verhängen. Typisch waren üppige Gelage, Glücksspiele, das Tragen bequemer Kleidung und das Aufsetzen des Pileus, einer Filzkappe, die sonst nur frei geborenen Bürgern und Freigelassenen vorbehalten war. Es wurden Geschenke wie Kerzen oder kleine Tonfiguren ausgetauscht, und die Häuser wurden mit Girlanden und Lichtern geschmückt. Die Saturnalien galten als Zeit der Freiheit, Freude und Gleichheit und waren das beliebteste Fest im römischen Kalender.
Talassio! (Hochzeitsruf)
Der Hochzeitsruf „Talassio!“ war ein traditioneller Ausruf bei römischen Hochzeitsfeiern. Er wurde besonders während des Hochzeitszuges gerufen, wenn die Braut vom Haus ihrer Familie zum Haus des Bräutigams getragen wurde. Freunde und Begleiter des Bräutigams riefen dabei wiederholt „Talassio!“, ähnlich einem feierlichen Glückwunsch- und Jubelruf.
Die Herkunft des Wortes ist nicht völlig geklärt. Nach einer verbreiteten römischen Erklärung geht der Ruf auf eine Episode aus der Frühzeit Roms zurück: Während der Raub der Sabinerinnen soll eine besonders schöne Sabinerin einem Mann namens Talassius zugesprochen worden sein. Die Männer hätten daher „Talassio!“ gerufen, um anzuzeigen, dass sie für ihn bestimmt sei. Später wurde dieser Ruf zu einem festen Bestandteil römischer Hochzeitsrituale.
Apollon
Der griechische Gott der Weissagung, der Musik, Kunst und Heilkunst, der Sonne, des Lichts und der Bogenschützen. Er gilt auch als Beschützer der Jugend und Vermittler göttlicher Harmonie. Die Römer übernahmen diesen Gott nahezu unverändert und nannten ihn Apollo.
Ariadne
Ariadne ist in der griechischen Mythologie die Tochter des kretischen Königs Minos und seiner Frau Pasiphaë. Sie spielte eine zentrale Rolle im Mythos um das Labyrinth und den Minotaurus, indem sie dem Helden Theseus einen Faden schenkt, mit dem er nach der Tötung des Minotaurus den Weg aus dem Labyrinth wiederfindet. Ariadne verliebt sich in Theseus und flieht mit ihm, wird jedoch auf der Insel Naxos von ihm verlassen. Dort wird sie später vom Gott Dionysos zur Frau genommen und dadurch unsterblich. Ihr Mythos symbolisiert Liebe, Verrat und Wiedergeburt, ihr Faden Orientierung und Rettung.
Athene
die griechische Göttin der Weisheit, der Strategie und des Krieges (besonders der Verteidigung), der Künste und des Handwerks. Sie gilt als Beschützerin der Städte und der gerechten Ordnung. Als römisches Pendant galt die Göttin Minerva.
Carmenta
Die römische Göttin der Geburt, der Weissagung und des Schicksals. Ihr Name hängt mit carmen („prophetischer Gesang“ oder „Orakelspruch“) zusammen, was ihre Rolle als Seherin und Orakelgöttin widerspiegelt. Zu ihren Ehren feierten die Römer das Fest der Carmentalia am 11. und 15. Januar, bei dem besonders Frauen für eine glückliche Niederkunft beteten.
Ceres
Die römische Göttin des Ackerbaus, der Fruchtbarkeit und des Getreides. Sie wacht über das Gedeihen der Pflanzen, vor allem der Feldfrüchte, und ist zuständig für Ernährung, Ernte und den Kreislauf der Jahreszeiten. Ihr griechisches Pendant ist Demeter.
Diana
Die römische Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt. Sie ist zudem Beschützerin der Wälder, Tiere, Frauen und Mädchen sowie der Jugend und Jungfräulichkeit. Ihr griechisches Pendant war Artemis.
Dionysos/Bacchus
Dionysos (griechisch) bzw. Bacchus (römisch) war der antike Gott des Weines, der Weinherstellung und der Rebe. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehörte es, den Menschen Genuss, Rausch und Ekstase zu bereiten. Er galt außerdem als Gott der Fruchtbarkeit, der Vegetation und der Erneuerung des Lebenszyklus. Dionysos war eng mit dem Theater verbunden und wurde als Schutzpatron der Schauspieler und des dramatischen Spiels verehrt; viele antike Theaterstücke wurden ihm zu Ehren aufgeführt. Seine Kulte zielten auf befreiende, ekstatische Erlebnisse – etwa in den sogenannten Dionysien oder Bacchanalien, großen Festen mit ausgelassenem Feiern und Tanz. Seine tierischen und mystischen Begleiter (z.B. Satyrn und Mänaden) unterstrichen seinen Ruf als Grenzüberschreiter zwischen Ordnung und Chaos.
Feronia
Feronia war eine altitalische Göttin, die in Rom und Mittelitalien verehrt wurde. Sie galt als Göttin der Wälder, Heilquellen, Heilkräuter, Fruchtbarkeit und aufblühenden Vegetation des Frühlings, weshalb sie auch „die Blumenliebende“ genannt wurde. Feronia war besonders als Schutzgöttin der Freigelassenen und Sklaven bekannt; ihr Kult verband sich mit der Idee von Freiheit und sozialem Aufstieg. Ein bedeutendes Heiligtum war der Hain und der Tempel in Lucus Feroniae in Latium, daneben gab es weitere in Etrurien und anderen Regionen Mittelitaliens
Fortuna
römische Glücks- und Schicksalsgöttin, Herrscherin über Zufall, Erfolg und das wechselhafte Schicksal. Sie bringt Glück, Wohlstand, und wurde sowohl privat (z.B. bei Kinderwunsch, reicher Ernte) als auch staatlich verehrt.
Genius
Der römische Genius war der persönliche Schutzgeist jedes Mannes, der seinen Träger von der Geburt bis zum Tod begleitete und dessen Persönlichkeit, Lebensschicksal und insbesondere seine Schöpferkraft symbolisierte. Frauen hatten als Äquivalent die Juno. Genien standen jedoch nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Familien, Orten (als Genius loci), Gemeinschaften und selbst dem römischen Staat schützend zur Seite. Der Genius galt als Quelle von Glück, Inspiration und Schutz – ihm wurde am Geburtstag geopfert, in der Hoffnung auf Wohlstand und Erfolg. In Darstellungen erscheint er häufig in der Form eines geflügelten Knaben oder einer Schlange.
Harpiyen
Die Harpyien sind weibliche Mischwesen aus der griechischen Mythologie mit dem Körper eines Vogels und dem Kopf einer Frau, oft mit Flügeln ausgestattet. Sie gelten als Verkörperung der Sturmwinde und sind Töchter des Meeresgottes Thaumas und der Elektra, einer Tochter des Okeanos. In frühen Erzählungen wurden sie als schöne Frauen mit gelocktem Haar beschrieben, später jedoch als hässliche, unheilvolle Dämonen, die den Menschen Unheil bringen. Ihre Aufgabe war es, auf Geheiß von Zeus die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt zu bringen oder jene zu bestrafen, die Zeus erzürnten.
In der römischen Literatur, etwa Vergils "Aeneis", erscheinen sie als unheilvolle Kreaturen mit bleichen Gesichtern, die den Seefahrer Aeneas und seine Gefährten heimsuchen. Insgesamt symbolisieren die Harpyien in der Mythologie sowohl zerstörerische Naturgewalten als auch den Tod.
Herkules
Der Halbgott Herkules (grch. Herakles) ist bekannt für seine übermenschliche Stärke und die zwölf berühmten Aufgaben, die ihm auferlegt wurden, um eine schwere Schuld zu sühnen. Diese Aufgaben umfassen unter anderem die Erlegung des Nemeischen Löwen, ein Tier mit undurchdringbarem Fell, sowie die Tötung der neunköpfigen Hydra, eines Monsters, dessen Köpfe nachwuchsen, wenn man sie abschlug. Weitere Aufgaben sind das Einfangen der kerynitischen Hirschkuh, das Säubern der Augias-Ställe und das Heraufholen des dreiköpfigen Höllenhundes Kerberos aus der Unterwelt. Herkules zeigte dabei nicht nur körperliche Kraft, sondern auch Mut, List und Ausdauer und gilt als Symbol für Stärke und heroische Tugenden.
Hypnos
griechischer Gott des Schlafes. Er bringt den Menschen und Göttern den Schlaf, lindert Sorgen und ist für Erholung sowie Ruhe zuständig. Sein römisches Pendant war der Gott Somnus.
Isis
Die Göttin Isis war eine der bedeutendsten und vielseitigsten Gottheiten des alten Ägypten, die auch von den Römern verehrt wurde. Sie war vor allem die Göttin der Geburt, der Magie und der Heilung sowie eine Schutzgöttin für die Lebenden und Toten. Als Ehefrau und Schwester des Osiris spielte sie eine zentrale Rolle im Osiris-Mythos, indem sie Osiris nach dessen Ermordung wiederbelebte und als fürsorgliche Mutter Horus aufzog. Isis war auch eine Totengöttin, die zusammen mit ihrer Schwester Nephthys an den Totenriten beteiligt war und Schutz im Jenseits versprach. Sie wurde als Schutzgöttin aller Leidenden angesehen und galt als mächtige Zauberin, deren magische Fähigkeiten Leben retten konnten. In der griechisch-römischen Zeit wurde ihr Kult weit über Ägypten hinaus verbreitet und mit anderen Gottheiten wie Aphrodite (Venus) und Demeter (Ceres) verschmolzen.
Iuno
Die römische Göttin Iuno war die höchste Göttin und wurde als Gemahlin von Jupiter verehrt. Ihre wichtigsten Aufgabengebiete waren der Schutz der Ehe, der Geburt und der Fürsorge für Kinder. Sie galt zudem als Beschützerin der Frauen und Schirmherrin der Stadt Rom. Iuno war Teil der kapitolinischen Trias (mit Jupiter und Minerva) und wurde oft als „Königin der Götter“ bezeichnet. Als Iuno Lucina schützte sie insbesondere Geburten, als Iuno Moneta galt sie zudem als Warnerin und Hüterin der Münzstätte. Ihr griechisches Pendant ist die Göttin Hera.
Iuppiter
Der höchste römische Gott, Göttervater sowie Herr über Himmel, Wetter, Blitz und Donner. Er gilt als Beschützer des Staates, der Ordnung, des Rechts und der Familie. Sein griechisches Pendant ist der Gott Zeus.
Kirke
Kirke ist in der griechischen Mythologie eine mächtige Zauberin und Tochter des Sonnengottes Helios und der Perse, einer Tochter des Okeanos. Sie lebt auf der Insel Aiaia, wo sie durch zauberhafte Kräuter Menschen in Tiere verwandelt, wie es bekanntlich mit den Gefährten des Odysseus geschah, die sie in Schweine verwandelte. Odysseus wurde dank der Hilfe des Gottes Hermes vor ihrem Zauber geschützt und konnte Kirke zwingen, seine Männer zurückzuverwandeln. Kirke wird als ambivalente Figur dargestellt, die sowohl Bedrohung als auch Unterstützung bedeutet; sie verband sich eine Zeitlang mit Odysseus und gebar ihm Kinder. Außerdem gilt sie als eine Schicksalsweberin, die durch ihre magischen Fähigkeiten Macht über Leben und Wandlung besitzt.
Laren
Die römischen Hausgötter, die Laren (lateinisch Lares), waren Schutzgeister, die das Haus, die Familie und den Ort bewachten. Die wichtigsten waren die Lares familiares, die als Schutzgötter des Haushalts und aller Bewohner – einschließlich der Familie, Freigelassenen und Sklaven – galten. Sie wurden mit den vergöttlichten Seelen verstorbener Vorfahren in Verbindung gebracht und bei allen Familienfesten verehrt. Neben ihnen gab es Lares loci, die einen festen Ort oder Platz bewachten, und Lares publici, die ganze Straßen oder Gemeindegebiete schützten. Die Laren wurden täglich im Haus vor dem Lararium, einem kleinen Hausschrein, mit Opfergaben wie Speisen um ihr Wohlwollen gebeten. Ihr Kult war eng mit dem Alltag verwoben: Man bat sie um Schutz, Hilfe bei Problemen oder bei wichtigen familiären Ereignissen. Ihre Rolle vereinte Schutzfunktion, Fürsorge und die Verbindung der Lebenden mit den Ahnen. Symbolisch wurden die Laren oft mit Schlangen dargestellt, die ebenfalls als Schutzsymbole galten.
Merkur
Der römische Gott des Handels, der Diebe, des Reichtums, der Reisenden und der Beredsamkeit, außerdem fungierte er als Götterbote. Merkur zeigte Verirrten den Weg, übermittelte Nachrichten und führte die Seelen in die Unterwelt. Sein griechisches Pendant ist der Gott Hermes.
Minotaurus
Der Minotaurus ist eine Gestalt der griechischen Mythologie, ein Monster mit dem Körper eines Mannes und dem Kopf eines Stiers, das aus der Verbindung von Königin Pasiphaë und einem weißen Stier Poseidons entstand1. Er wurde auf Kreta im Labyrinth unter dem Palast von König Minos gefangen gehalten. Das Labyrinth wurde von Daedalus entworfen, um den Minotaurus einzusperren und dessen Ausbruch zu verhindern. Als Strafe für die Tötung von Minos' Sohn Androgeos mussten alle neun Jahre sieben junge Männer und sieben junge Frauen aus Athen als Opfer dem Minotaurus übergeben werden. Der Held Theseus meldete sich freiwillig, den Minotaurus zu töten. Mithilfe eines Fadens von Ariadne, der Tochter Minos', gelang es ihm, das Labyrinth zu durchqueren, den Minotaurus zu töten und den Ausgang wiederzufinden.
Der Minotaurus symbolisiert in der Mythologie das Monströse und Unnatürliche, er steht für Chaos, verdrängte Triebe und gefährliche Instinkte. Das Labyrinth selbst wird oft als Sinnbild für Verwirrung, Gefangenschaft und den inneren Kampf gegen dunkle Seiten verstanden.
Odysseus
Odysseus ist eine zentrale Figur der griechischen Mythologie, bekannt als König der Insel Ithaka und Held des Trojanischen Krieges. Er zeichnete sich besonders durch seine List, Klugheit und Beredsamkeit aus und spielte eine entscheidende Rolle bei der List mit dem Trojanischen Pferd, die zum Fall Trojas führte. Nach dem Krieg begann Odysseus eine zehnjährige Irrfahrt zurück nach Ithaka, bei der er zahlreiche Abenteuer und Prüfungen überstand, unter anderem Begegnungen mit der Zauberin Kirke, den Sirenen und dem Zyklopen Polyphem. Während seiner Reise wurde er von göttlichen Mächten herausgefordert, besonders vom Meeresgott Poseidon, den er verärgert hatte. In seiner Abwesenheit hatte seine Frau Penelope auf Ithaka zahlreiche Freier, welche es auf die Königswürde abgesehen hatten, abzuwehren. Nach seiner Heimkehr tötete Odysseus die Freier gemeinsam mit seinem Sohn Telemachos, und stellte seine Herrschaft wieder her. Er gilt als Symbol für menschliche Klugheit, Durchhaltevermögen und heldenhaften Überlebenswillen.
Ops
Die römische Göttin des Überflusses, der Ernte, der Fruchtbarkeit und des Erntesegens. Gattin des Saturn. Sie schütze auch Neugeborene und wurde im Krieg als Schutzgöttin Roms angerufen.
Parzen / Moiren
Die römischen Parzen waren drei Schicksalsgöttinnen, die über das Leben und den Tod der Menschen bestimmten. Sie entsprechen den griechischen Moiren und wurden in Rom als Nona, Decima und Morta verehrt. In der Vorstellung der Antike spann eine der Göttinnen den Lebensfaden, die zweite maß seine Länge, und die dritte schnitt ihn schließlich ab – ein Bild für Geburt, Lebensdauer und Tod. Die Parzen galten als mächtige, kaum beeinflussbare Verkörperungen des Schicksals, dessen Entscheidungen selbst die Götter nur selten ändern konnten. Besonders mit der Geburt eines Kindes wurden sie in Verbindung gebracht, da sie nach römischer Vorstellung bereits zu Beginn des Lebens über dessen Verlauf bestimmten.
Pluto/Hades
Der Herrscher der Unterwelt und Gott des Totenreichs. Er war zuständig für die Seelen der Verstorbenen, für das Leben nach dem Tod und die Kontrolle über Reichtümer und Schätze der Erde. Er steht für Transformation, das Ende alter Strukturen und geistige Erneuerung.
Polyphem
Polyphem ist in der griechischen Mythologie ein einäugiger Riese (Kyklop) und Sohn des Meeresgottes Poseidon und der Meeresnymphe Thoosa. Er lebt mit anderen Kyklopen auf einer Insel, meist als Hirte von Schafen und Ziegen beschrieben, und bewacht eine Höhle, in die Odysseus und seine Gefährten während ihrer Irrfahrt eindringen. Polyphem verschließt den Höhleneingang mit einem riesigen Felsen und tötet und frisst mehrere von Odysseus' Männern. Odysseus überlistet ihn, indem er ihm starken Wein gibt und ihn danach mit einem glühenden Pfahl das einzige Auge aussticht, während der Kyklop schläft. Zum Entkommen verstecken sich Odysseus und seine Männer unter den Bäuchen der Schafe des Polyphem, sodass der blinde Kyklop sie nicht ertastet. In Zorn bittet Polyphem seinen Vater Poseidon, Odysseus' Heimkehr zu behindern, was eine lange, gefährliche Reise zur Folge hat.
Poseidon/Neptun
Poseidon (griechisch) bzw. Neptun (römisch) war der Gott des Meeres und aller Gewässer; er herrschte über Ozeane, Seen, Flüsse sowie alle im Wasser lebenden Wesen. Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählten das Auslösen und Stillen von Stürmen sowie das Schützen oder Gefährden von Seefahrern. Ein weiteres Aufgabenfeld war die Kontrolle über Erdbeben, weshalb er auch als „Erderschütterer“ bezeichnet wurde; mit seinem mächtigen Dreizack konnte er die Erde beben lassen. Zudem war Poseidon der Gott der Pferde und deren Zucht.
Seine Natur wurde als launisch und unberechenbar beschrieben, wodurch sich das wechselhafte Wesen des Meeres in seiner Persönlichkeit widerspiegelt. In der Mythologie trat er häufig als Schöpfer neuer Inseln, als Gegner oder Verbündeter anderer Götter sowie als Schutzpatron von Städten auf.
Seine Verehrung war besonders in Küstenregionen und bei Seefahrern sehr verbreitet; wichtige Heiligtümer und Tempel lagen vorrangig am Meer.
Priapos
Priapos war in der griechischen Antike ein Gott der Fruchtbarkeit, insbesondere bekannt als Schutzgott von Gärten, Feldern und Weinbergen. Seine Aufgaben umfassten das Fördern und Bewahren von Wachstum und Erträgen von Pflanzen und Früchten; in dieser Funktion wurde er oft als Glücksbringer in Obst- und Weingärten verehrt und dort als Statue mit übergroßem Phallus aufgestellt, um durch seine Präsenz eine reiche Ernte zu sichern und Diebe sowie Tiere abzuschrecken. Neben seinen Aufgaben für die Pflanzenwelt galt er auch als Beschützer von Vieh, vor allem Schafen und Ziegen, sowie von Bienen und Fischen.
Priapos stand sinnbildlich für ungehemmte Sexualität und generative Kraft; er war ebenfalls Patron der männlichen Potenz und galt als Zeichen für Wohlstand und allgemeine Segenskraft. Im römischen Kulturraum übernahm er zusätzlich die Rolle eines Abwehrgottes gegen Unheil und galt als Wächter von Wegen, oft angelehnt an die Funktion des griechischen Hermes. Seine Statuen erfüllten somit Schutz-, Abwehr- und segenspendende Aufgaben, die mit Fruchtbarkeit und Wohlstand eng verbunden waren.
Saturn / Kronos
Der römische Gott der Aussaat und des Ackerbaus. Er stand für des mythischen Goldenes Zeitalter, in dem Überfluss und Frieden herrschte. Er ist zudem Symbol der Zeit, des Staatsschatzes und der Erneuerung.
Sirenen
Die Sirenen sind mythische Wesen der griechischen Antike, meist als Mischwesen mit dem Kopf einer Frau und dem Körper eines Vogels dargestellt, später auch halb Frau, halb Fisch. Sie sind bekannt für ihren verführerischen, betörenden Gesang, mit dem sie vorbeifahrende Seefahrer anlocken, um deren Schiffe an gefährliche Küsten oder Felsen zerschellen zu lassen.
In Homers „Odyssee“ verführen sie Odysseus fast dazu, ihrem Gesang zu verfallen, als dieser sich an den Mast seines Schiffes binden lässt, um ihre Stimmen zu hören, doch seine Mannschaft, die sich die Ohren mit Wachs verstopft hat, kann ihrem Gesang widerstehen.
Sphinx
Die griechische Sphinx ist ein mythisches Mischwesen mit dem Kopf einer Frau, dem Körper eines Löwen und Flügeln eines Adlers, manchmal auch mit einem Schlangenschwanz dargestellt. Sie ist eine Tochter von Typhon und Echidna und wurde von der Göttin Hera gesandt, um die Stadt Theben zu terrorisieren. Die Sphinx stellte jedem, der nach Theben reiste, ein schwieriges Rätsel: „Was läuft morgens auf vier Beinen, mittags auf zwei und abends auf drei?“. Wer das Rätsel nicht lösen konnte, wurde von ihr verschlungen. Ödipus löste das Rätsel richtig mit der Antwort „der Mensch“ (der als Baby krabbelt, als Erwachsener geht und im Alter einen Stock benutzt). Daraufhin stürzte sich die Sphinx in den Tod und beendete ihre Herrschaft über Theben.
Tellus
die römische Göttin der nährenden Erde (Erdenmutter, „Terra Mater“), Symbol der Fruchtbarkeit und Fülle von Feldfrüchten und Vieh. Sie nimmt auch die Toten in ihren Schoß auf und steht in enger Verbindung zu allem, was wächst.
Venus
die römische Göttin der Liebe, Schönheit, Fruchtbarkeit, Sinnlichkeit, des Begehrens und des Vergnügens. Sie verkörpert die schöpferische Lebenskraft und steht für Genuss, Wachstum und Ästhetik.
Historisch belegte Personen und ihre Werke
Eratosthenes: Erdumfang
Eratosthenes berechnete im 3. Jahrhundert v. Chr. den Erdumfang mit einer cleveren Methode sehr präzise. Er wusste, dass in der Stadt Syene (heute Assuan) zur Mittagszeit an der Sommersonnenwende die Sonne genau senkrecht stand – sie war also im Zenit, sodass es keinen Schatten gab. Zur gleichen Zeit maß er in Alexandria, etwa 800 Kilometer nördlich, den Schatten eines Obelisken und stellte fest, dass die Sonne dort etwa 7,2 Grad vom Zenit abwich, also ein Fünfzigstel (1/50) des vollen 360-Grad-Kreises ausmachte. Da die Strecke zwischen Syene und Alexandria bekannt war, konnte Eratosthenes ausrechnen, dass dieser Abstand ein Fünfzigstel des gesamten Erdumfangs ist. Durch einfache Multiplikation der Entfernung mal 50 erhielt er so mit etwa 39.375 Kilometern (ca. 250.000 Stadien) einen erstaunlich genauer Wert, der nur wenige Prozent von unserem heutigen Wert (40.075 Kilometer) abweicht.
Platon: Höhlengleichnis
Platons Höhlengleichnis beschreibt das Erkenntnisproblem des Menschen anhand einer allegorischen Szene: Gefesselte Gefangene sitzen seit ihrer Kindheit in einer dunklen Höhle und können nur die Schatten von Objekten an der Wand wahrnehmen, die durch Gegenstände, die hinter ihnen an einem Feuer vorbeigetragen werden, entstehen. Für sie sind diese Schatten die einzige Realität, die sie wahrnehmen können. Wird einer befreit, erlebt er beim Hinaustreten aus der Höhle in das Sonnenlicht zunächst Desorientierung, erkennt aber dann die wahre Beschaffenheit der Welt – die Sonne steht dabei symbolisch für die höchste Wahrheit und das Gute. Der Rückkehrer wird jedoch von den weiterhin Gefangenen verspottet oder bedroht, da diese ihre gewohnte Sicht auf die „Wirklichkeit“ nicht aufgeben wollen.
Platon illustriert damit nicht nur das Verhältnis zwischen Schein und Sein, sondern auch den beschwerlichen Bildungsprozess: Wirkliche Erkenntnis erfordert, alte Gewissheiten zu hinterfragen, intellektuelle Anstrengung durchzuhalten und das Erkannte weiterzugeben.
Platon: Kugelmenschen
Platons Kugelmenschen-Theorie stammt aus seinem Dialog „Symposion“ und beschreibt Menschen, die ursprünglich eine kugelförmige Gestalt mit vier Armen, vier Beinen, zwei Gesichtern und sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechtsmerkmalen hatten. Diese Wesen waren sehr stark und übermütig und versuchten, gegen die Götter zu rebellieren. Um sie zu bestrafen, ließ Zeus sie in zwei Hälften spalten, die seitdem als einzelne Menschen existieren und sehnsüchtig nach ihrer anderen Hälfte suchen. Je nachdem, wie die ursprüngliche Kugel zusammengesetzt war (rein männlich, rein weiblich oder zwitterhaft), entwickeln sich daraus unterschiedliche sexuelle Orientierungen. Diese Sehnsucht erklärt Platon als Ursprung des erotischen Begehrens, das Menschen dazu treibt, nach Zusammengehörigkeit und Ganzheit zu streben.
Pythagoras’ Lehrsatz
Der Satz des Pythagoras beschreibt eine grundlegende Beziehung zwischen den Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks. Er besagt, dass das Quadrat der längsten Seite (der Hypotenuse) gleich der Summe der Quadrate der beiden kürzeren Seiten (der Katheten) ist: a²+b²=c²
Das bedeutet: Wenn man die beiden kürzeren Seiten quadriert und ihre Flächen addiert, erhält man genau die Fläche des Quadrats über der längsten Seite. Mit diesem Zusammenhang kann man die Länge einer fehlenden Seite berechnen, wenn die anderen beiden bekannt sind.
Der Lehrsatz wird traditionell dem griechischen Philosophen und Mathematiker Pythagoras zugeschrieben, der im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte. Er gehört zu den wichtigsten Grundregeln der Geometrie und wird bis heute in Mathematik, Bauwesen, Vermessung und vielen technischen Bereichen verwendet.
Pythia (und das Orakel von Delphi)
Das Orakel von Delphi war eine der bedeutendsten religiösen Stätten des antiken Griechenlands und dem Gott Apollon geweiht. Im Zentrum des Orakels stand die Priesterin Pythia, die auf einem Dreifuß sitzend in einem tranceähnlichen Zustand prophetische Aussagen verkündete, die als Botschaften Apollons galten.
Priester übermittelten und deuteten diese oft rätselhaften oder mehrdeutigen Prophezeiungen für Ratsuchende aus der gesamten griechischen Welt, die sich in Delphi zu politischen oder persönlichen Entscheidungen beraten lassen wollten. Dadurch gewann das Orakel großen Einfluss auf Religion, Politik und das Denken der griechischen Antike.
Seneca: Verkürbissung
Senecas "Verkürbissung" des Kaisers Claudius, auch bekannt als Apocolocyntosis, ist eine bissige Satire aus dem Jahr 54 n. Chr., in der er den verstorbenen Kaiser verspottet und dessen Vergöttlichung („Apotheose“) ins Lächerliche zieht. Statt Claudius als göttlichen Herrscher darzustellen, beschreibt Seneca seinen Tod und das Jenseits als eine Komödie, in der Claudius statt vergöttlicht zu werden auf ewig die Arbeit eines kleinen Gerichtsdieners verrichten muss – er wird also in einen „Kürbis“ (der in der Antike ein Symbol für Dummheit war) verwandelt (daher der Titel, ein Wortspiel mit „Apotheose“). Seneca nimmt dabei Claudius' Gebrechen und schlechte Eigenschaften aufs Korn, wie sein Stottern, seinen hinkenden Gang, seine Leidenschaft fürs Glücksspiel und seine manchmal grausamen Regierungsentscheidungen. Die Satire mischt verschiedene literarische Formen und nutzt Humor und Ironie, um Kritik an Claudius’ Herrschaft zu üben.
Es wird berichtet, dass Seneca sich später für seine Schrift geschämt hat und versucht haben soll, deren weitere Verbreitung zu verhindern. Diese Satire, die Claudius mit beißendem Humor und teils harscher Kritik verspottet, stand im starken Gegensatz zur stoischen Gelassenheit, die Seneca sonst propagierte. Viele gebildete Zeitgenossen bewerteten das Werk ambivalent: Einerseits bewunderten sie Senecas Schreibkunst und Mut, andererseits fanden manche den scharfen Spott gegen einen verstorbenen Kaiser für einen stoischen Philosophen unpassend oder sogar peinlich.
Vergil: Hirtengedichte
Die Eclogae (auch Bucolica genannt) sind eine Sammlung von zehn Hirtengedichten des römischen Dichters Vergil aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Sie schildern in poetischer Form das idealisierte Leben von Hirten auf dem Land, mit Themen wie Liebe, Musik, Natur und Dichtung. Vergil orientierte sich dabei stark an den griechischen Hirtengedichten des Dichters Theokrit, entwickelte die Form jedoch eigenständig weiter. Neben idyllischen Landschaftsschilderungen enthalten die Gedichte auch zeitgenössische politische Anspielungen, etwa auf die Umbrüche nach den römischen Bürgerkriegen. Besonders bekannt ist die vierte Ekloge, die später oft als prophetische Dichtung über ein kommendes goldenes Zeitalter interpretiert wurde. Die Eclogae gehören zu Vergils frühen Werken und machten ihn in Rom als Dichter berühmt.
Aenaria
Die italienische Insel Ischia hieß in der Antike zunächst Pithekoussai (griechisch Πιθηκούσσαι) und war eine griechische Kolonie, die im 8. Jahrhundert v. Chr. von Siedlern aus Chalkis und Eretria gegründet wurde. Sie war ein bedeutendes Handelszentrum, bekannt für Töpferarbeiten und Metallverarbeitung. Die Römer nannten die Insel später „Aenaria“ und übernahmen sie nach dem 4. Jahrhundert v. Chr. Aenaria war schon in der Antike für seine Thermalquellen bekannt und wurde von der römischen Oberschicht häufig als Standort für Sommerresidenzen ausgesucht.
Ambrakischer Golf
Der Ambrakische Golf ist eine rund 500 km² große und fast landumschlossene Bucht des Ionischen Meeres im Nordwesten Griechenlands. Er wird von den Flüssen Louros und Arachthos gespeist, deren Deltas ein flaches, lagunenreiches Feuchtgebiet mit einer besonders artenreichen Tierwelt bilden, darunter seltene Wasservögel, Delphine und Meeresschildkröten. Der Name geht auf die antike Stadt Ambrakia (heute Arta) zurück. In der Umgebung lagen bedeutende Städte wie z.B. Nikopolis.
Capena
Das antike Capena war eine ursprünglich etruskische Siedlung in Latium, etwa 30–35 km nördlich von Rom. Die Stadt lag auf einem Hügelplateau über dem Tiber, rund 3 km südwestlich des heutigen Ortes Capena.
Durch ihre Lage nahe der Via Flaminia hatte sie eine strategische Bedeutung für den Verkehr zwischen Rom und Norditalien. Die Siedlung bestand aus einer befestigten Oberstadt und ausgedehnten Nekropolen.
In römischer Zeit wurde Capena zum municipium erhoben und erhielt das römische Bürgerrecht. Die Umgebung war landwirtschaftlich geprägt und in der Kaiserzeit auch für ihre Villenkultur bekannt. Zudem war Capena Zentrum des Verwaltungsbezirks der tribus Stellatina.
Capua
Capua war eine bedeutende antike Stadt in Kampanien, etwa auf dem Gebiet des heutigen Santa Maria Capua Vetere. Die Stadt wurde vermutlich im 9. Jahrhundert v. Chr. gegründet und war ursprünglich oskisch, dann etruskisch, samnitisch und schließlich römisch geprägt. Capua lag an der wichtigen Straße Via Appia, die von Rom dorthin führte, und war eine der größten Städte Süditaliens. Im 3. Jahrhundert v. Chr. erlebte Capua wirtschaftliche Blüte, war bekannt für Landwirtschaft, Parfümherstellung und Bronzeverarbeitung. Während des Zweiten Punischen Krieges wandte sich Capua den Karthagern zu, wurde nach der römischen Rückeroberung 211 v. Chr. hart bestraft: die Selbstverwaltung wurde abgeschafft, Eigentum enteignet und das Gebiet zur römischen Staatsdomäne gemacht.
Die Stadt war für seine zahlreichen Gladiatorenschule bekannt; hier begann 73 v. Chr. der Sklavenaufstand des Spartacus. In der Kaiserzeit wurde die Stadt u.a. mit Aquädukten und Tempeln weiter ausgebaut.
Lucus Feroniae
Lucus Feroniae war ein bedeutendes antikes Heiligtum und später eine Stadt im westlichen Mittelitalien, nahe dem Tiber und etwa 40 Kilometer (auf dem Stadtgebiet des heutigen Fiano Romano) nordnordöstlich von Rom gelegen. Ursprünglich war es ein heiliger Hain (lateinisch lucus), der der Göttin Feronia geweiht war, der Schutzgöttin der Freigelassenen und der Natur. Das Heiligtum lag im Territorium der sabinischen Ortschaft Capena und entwickelte sich erst im 1. Jahrhundert v. Chr. mit der Gründung einer Kolonie zu einer eigenständigen Stadt, der Colonia Iulia Felix Lucus Feroniae, in der auch Veteranen von Julius Caesar angesiedelt wurden.
Die Lage am Tiber und an der Via Tiberina machte Lucus Feroniae zu einem wichtigen Handels- und Kultort, der besonders während der religiösen Festtage zahlreiche Besucher anzog. Archäologische Funde zeigen, dass der Ort über ein Forum, ein Amphitheater und Thermen verfügte. Der Tempel der Göttin Feronia wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. im korinthischen Stil neu errichtet und von einem Portikus umgeben.
Nikopolis
Nikopolis (griech. Νικόπολις, „Siegesstadt“) wurde im Jahr 29 v. Chr. vom späteren Kaiser Augustus (damals Octavian) gegründet – als Monument seines Sieges über Marcus Antonius und Kleopatra in der berühmten Seeschlacht bei Actium (31 v. Chr.). Die Stadt wurde auf einer Landzunge nahe des heutigen Preveza in Epirus (Nordwestgriechenland) erbaut, in unmittelbarer Nähe des antiken Heiligtums von Apollo Actius. Augustus siedelte zur Bevölkerungsgewinnung Bewohner der umliegenden Orte zwangsweise um, darunter Ambrakia, Kassope und Orraon, und machte Nikopolis zur Hauptstadt der neuen Provinz Epirus.
Die Stadt wurde großzügig mit Monumenten, Tempeln, einem Theater, Stadion, Odeion, Badeanlagen sowie einer imposanten Stadtmauer ausgestattet. Augustus ließ hier die alle vier Jahre stattfindenden Aktischen Spiele zu Ehren Apollons abhalten, nachempfunden den Olympischen Spielen. Die prächtige Stadt war römischer Verwaltungsmittelpunkt und blühte durch Handel und politische Privilegien auf.
Puteoli
Puteoli, heute Pozzuoli genannt, war eine bedeutende römische Hafenstadt in Kampanien am Golf von Neapel. Die Stadt wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Kolonisten gegründet und hieß ursprünglich Dikaiarchia. 194 v. Chr. wurde sie römische Kolonie und umbenannt in Puteoli.
Puteoli verfügte über einen natürlichen, gut geschützten Hafen und war in der römischen Republik und Kaiserzeit einer der wichtigsten Handelshäfen, vor allem für den Getreidetransport nach Rom. Der Hafen war durch Molen vor Stürmen geschützt und von zahlreichen Speichern und Marktplätzen, wie dem berühmten Macellum, einer prächtigen Markthalle für den Handel mit Lebensmitteln, flankiert.
Die Stadt war als Umschlagplatz für Waren aus ganz Italien und Übersee – etwa Weizen aus Ägypten – von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Kaiser Caligula ließ sogar eine Schiffsbrücke von Puteoli nach Baiae errichten. Trotz der späteren Bedeutung anderer großer Häfen wie Ostia blieb Puteoli ein zentraler Hafen, der in der Kaiserzeit ständig ausgebaut und instandgehalten wurde.
Vicus Pansa
Das antike Vicus Pansa ist heute als Ortsteil Panza der Gemeinde Forio im Südosten der Insel Ischia bekannt. Der Begriff „Vicus“ bezeichnet dabei eine kleinere Siedlung oder ein Dorf. Viscus Pansa war eine ländliche, bäuerliche Gemeinde mit Nähe zum Meer und zu den Thermalquellen, die typisch für Ischia sind.
Knöchelspiele (Omilla / Astragaloi)
Die antiken Spiele mit Knöcheln wurden mit den Knöcheln (oft Sprungbeinen) von Schafen, Ziegen oder Rindern bestritten, die als Spielsteine oder Würfel genutzt wurden.
Knöchel dienten dabei als Grundlage für verschiedene Arten von Spielen, darunter Geschicklichkeits-, Würfel- und Ratespiele. Das bekannteste Knöchelspiel ist das Fünfsteinspiel („pentelitha“), bei dem die Knöchel in die Luft geworfen und mit dem Handrücken wieder aufgefangen werden mussten – eine Form, die sich bis heute in verschiedenen Regionen Südeuropas und des Nahen Ostens erhalten hat.
Es gab auch Geschicklichkeitsspiele, etwa „Omilla“, bei dem die Knöchel in einen Kreis geworfen wurden, um die Knochen der Mitspieler herauszuschießen. Andere Spiele waren Würfelspiele, bei denen die Kombinationen der Würfe unterschiedliche Werte und Namen hatten, teilweise mit mythologischen Bezügen.
Latrunculi
Latrunculi (lateinisch Ludus latrunculorum, „Spiel der Söldner“ oder „Räuber“) war ein beliebtes strategisches Brettspiel im antiken Rom. Es wurde auf einem rechteckigen Spielbrett mit Rasterfeldern gespielt, auf dem zwei Spieler ihre Spielsteine gegeneinander führten. Ziel war es, gegnerische Steine durch Einkesseln zwischen zwei eigenen Steinen zu schlagen – ein Prinzip, das entfernt an moderne Strategiespiele wie Dame oder Schach erinnert.
Die genauen Regeln sind nicht vollständig überliefert, doch archäologische Funde von Spielbrettern und Steinen sowie Hinweise bei Autoren wie Ovid und Martial zeigen, dass das Spiel weit verbreitet war. Latrunculi erforderte vorausschauendes Denken und taktische Planung und wurde von Menschen verschiedener sozialer Schichten gespielt, sowohl zur Unterhaltung als auch zur geistigen Übung.
Raufball (Harpastum)
Harpastum war ein beliebtes Mannschaftsballspiel im antiken Rom, das vermutlich aus Griechenland übernommen wurde, wo es als Harpaston oder Phaininda bekannt war. Gespielt wurde es bis etwa ins 5. Jahrhundert n. Chr. und war besonders bei Soldaten und in römischen Garnisonen verbreitet.
Zwei Mannschaften mit etwa fünf bis zwölf Spielern traten auf einem rechteckigen Spielfeld gegeneinander an. An den Enden des Feldes befanden sich Linien, die ungefähr 75 Schritte voneinander entfernt lagen. Ziel des Spiels war es, den Ball hinter die gegnerische Linie zu bringen – ein Prinzip, das entfernt an moderne Sportarten wie Rugby oder American Football erinnert.
Der Ball (pila) bestand meist aus Leder oder einer aufgeblasenen Schweinsblase und war relativ klein und fest. Gespielt wurde hauptsächlich mit den Händen: Der Ball wurde geworfen, gefangen, getragen oder geschlagen, während der Einsatz der Füße eine untergeordnete Rolle spielte. Das Spiel war sehr dynamisch und körperbetont; Zweikämpfe, Täuschungen und schnelle Ballwechsel gehörten zu seinem Charakter und machten es zu einer anspruchsvollen und mitunter rauen Sportart.
Feste, überall gültige Regeln gab es nicht, da lokale Varianten üblich waren. Wichtig waren vor allem Schnelligkeit, Ausdauer, Geschicklichkeit und Teamarbeit. Harpastum konnte von Menschen verschiedener gesellschaftlicher Schichten gespielt werden und galt als ausgezeichnete körperliche Übung. Der Arzt Galenos lobte das Spiel ausdrücklich als vielseitiges Training für den ganzen Körper.
Besonders in der römischen Armee diente Harpastum der körperlichen Ertüchtigung und dem Zeitvertreib der Soldaten. Durch die Legionen verbreitete sich das Spiel in vielen Teilen des Reiches und gilt heute als ein früher Vorläufer mehrerer moderner Ballsportarten.
Trigon
Trigon war ein Ballspiel der Antike, das vor allem in der römischen Kaiserzeit und häufig in der Palaestra oder in Thermenanlagen gespielt wurde. Der Name leitet sich vom griechischen Wort für „Dreieck“ ab, weil sich die Spieler typischerweise zu dritt in Dreiecksform aufstellten. Gespielt wurde mit einem kleinen Ball (pila), der schnell zwischen den Spielern hin- und hergeworfen wurde.
Ein charakteristisches Merkmal des Spiels war die unterschiedliche Nutzung beider Hände: Der Ball wurde meist mit der stärkeren Hand geworfen, während die schwächere Hand zum Fangen vorgesehen war. Dadurch wurde Geschicklichkeit und Koordination trainiert, da die Spieler die Bewegungen ihrer Partner genau beobachten mussten. Das Spiel konnte sehr schnell werden, da mehrere Bälle gleichzeitig im Umlauf sein konnten.
Trigon galt weniger als Wettkampfsport, sondern eher als Geschicklichkeits- und Trainingsspiel, das Schnelligkeit, Reaktionsvermögen und Körperkontrolle förderte. Es wurde sowohl zur körperlichen Ertüchtigung als auch zur Unterhaltung gespielt und war besonders in der römischen Badekultur beliebt.
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